Das Gute siegen lassen!
Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.
(Römer 12,21)
Eine klare Aussage – und auf den ersten Blick verständlich für viele! Beim genaueren Hinsehen merkt man aber: Das ist leichter gesagt als getan. Fragen kommen auf wie: Was ist überhaupt gut und was ist böse?
Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem, legt Paulus seinen Lesern in Rom ans Herz. Paulus malt ganz konkret
den Christen vor Augen, wie sich Christsein im persönlichen Alltag und im Zusammenleben der Gemeinde auswirkt. Die Messlatte liegt hoch, wenn er zu Beginn seiner Ausführungen das ganze Leben als Gottesdienst beschreibt. Heute reden wir viel von Echtheit, von der Übereinstimmung von Reden und Handeln, von Glauben und Leben. Wenn das so einfach wäre und automatisch funktionieren würde, müssten die Christen damals und wir heute nicht immer wieder daran erinnert werden.
Paulus weiß aber, wie gefährdet Menschen sind – nicht nur durch Angriffe und Verfolgungen von außen, sondern auch durch Angriffe von innen. Uneinigkeit, Überheblichkeit und Lieblosigkeit sind Einfallstore des Bösen. Was meint Paulus, wenn er vom Bösen spricht? Offensichtlich nicht nur kleine Pannen und schlechte Umgangsformen. Er spricht vom Bösen als einer Macht, die Leben gefährdet, indem sie Beziehungen zerstört, unsere persönliche Beziehung zu Gott und die zu unseren Nächsten.
Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.
Nun wären wir überfordert, wenn die Umsetzung allein von unseren Möglichkeiten abhinge. Deshalb sagt Paulus bewusst: "Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich." (Römer 7, 18b.19) Wir sind schon seltsame Menschen, trotzdem verspricht Gott uns seine Hilfe, wenn wir ihm vertrauen. Dies auch wenn das Böse immer wieder auf fruchtbaren Boden bei uns wächst: oft ganz unspektakulär, in Form von Erinnerungen und alten Geschichten, die immer wieder in uns wachgerufen werden, die unser Vertrauen erschüttern, weil die Spuren der Verletzungen oder Enttäuschungen nicht ganz verschwunden sind. Wir fühlen uns ungerecht behandelt, schrauben uns in die zerstörerischen Gedanken hinein und sind ihnen ausgeliefert. Wie oft hofften wir schon, darüber hinweg zu sein!
Lass dich nicht überwinden, sondern überwinde! – ermutigt uns die Jahreslosung. Gott fordert nichts von uns, was er uns nicht zuvor geben möchte. So klingt in dem Aufruf die Verheißung schon mit: Jesus hat das Böse am Kreuz ein für allemal überwunden. Er allein hat die Möglichkeit geschaffen, den Teufelskreis zu durchbrechen: Aus Überheblichkeit kann Wertschätzung werden, aus Trägheit Eifer, aus Fluch Segen, aus Streit Frieden.
Ein Plakat zur Jahreslosung widerspiegelt des Prozesses der zur Überwindung des Bösen führt. Am Rand des unteren Teils des Bildes eine dunkle Fläche, Symbol für das Böse? Himmelsblau beherrscht das Bild. Mehr und mehr Helligkeit breitet sich in der mittleren Teil des Bildes aus. Die Blaue Farbe erinnert an Wasser, vielleicht sogar an die Taufe, an unsere eigentliche Berufung. Lebenspendendes Wassers dringt also durch. Alles wächst dem Licht entgegen. Ein kräftiges Rot umrahmt alles. Rot als Zeichen für Vergebung? Ein wärmendes Sonnenlicht spendet Leben, damit das Leben sich entfalten kann. Der Künstler lenkt so unseren Blick aus dem Dunkel mitten unten hinauf in das vollkommene Licht in der Mitte. Wenn wir uns diesem Licht aussetzen, sind wir dem Bösen, dem Leben – Zerstörenden nicht länger hilflos ausgeliefert.
Überwinde das Böse mit Gutem – das ist keine Überforderung und kein quälender Kraftakt. Wir können das Böse nicht aus unserem Leben ausklammern. Aber wir dürfen uns mit allem, was unser Leben zerstören will, Christus und seiner verändernden Kraft anvertrauen. Dann befinden wir uns im Fluss des Lebens.
Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Römer 12,21)